Ungarisches Fernsehen: Opposition ohne Stimme

6.1.2011 – Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán ist im Staatsfernsehen viermal so oft präsent wie die anderen Politiker seines Landes zusammen. Das ergab eine Auswertung aller Abendnachrichten der öffentlich-rechtlichen  Sender durch das unabhängige Republikon-Institut. Ganze 83% aller gesendeten O-Töne gehen auf das Konto seiner Regierungspartei.

O-Töne nach Parteicouleur. Das orange Tortenstück gehört zur regierenden Fidesz-Partei

„Wir beobachten einen dramatischen Rechtsruck bei der Auswahl der Themen, bei den interviewten Personen, bei der Erwähnung von Parteien und sogar in den Kommentaren der Moderatoren“, sagt der Politologe Csaba Toth, Chef von Republikon. Während 2009 noch in 10 von 20 Beiträgen Vertreter der regierenden MSZP zu Wort kamen, stammten 2010 bereits 16 von 20 Wortbeiträgen von Vertretern der Regierungspartei Fidesz. „Die Stimme der Opposition ist praktisch verstummt“, so die Analyse der Studie.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen beeilte sich gestern Abend, umgehend mitzuteilen, man bevorzuge die Regierungspartei in keiner Weise. Vielmehr bemühe man sich, nach dem französischen Vorbild ein Drittel der Sendezeit in den Nachrichten jeweils der Regierung, der Regierungspartei und der Opposition zuzugestehen.

Die Studie (auf ungarisch) in voller Länge: http://www.republikon.hu/upload/5000141/ri_hirado0910.pdf

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