Hugh Grant: Post aus Budapest

17.7.2012 – Vor zwei Wochen warb der britische Schauspieler Hugh Grant (Notting Hill, Vier Hochzeiten) in Brüssel für eine strengere Mediengesetzgebung auf Europäischer Ebene. Nun hat sich die ungarische Regierung schriftlich bei ihm beschwert.

„Wir wollen eine Aufsicht, die schlechten Journalismus bestraft und gleichzeitig guten Journalismus schützt“, sagte Grant in Brüssel mit Verweis auf die jüngsten Skandale der britischen Boulevardpresse. Nur die EU könne helfen, „weil viele Regierungen praktisch von den Medien gekapert sind.“

Für Hugh Grant ist Ungarn ein Beispiel für die Unfreiheit der Presse.

Doch es gebe auch das genaue Gegenteil, nämlich wenn die staatliche Einflussnahme auf die Medien zu groß werde. Ungarn sei ein herausgehobenes Beispiel für ein Mitgliedsland mit stark eingeschränkter Pressefreiheit. „Das ist mindestens ebenso erschreckend“, so der Schauspieler im Europarat. Es sei besser, wenn die Medien den Staat kontrollierten und nicht andersherum.

Die ungarische Regierung wollte solch prominente Kritik nicht unkommentiert lassen. Sein Auftritt erinnere an seine Filmrolle als Britischer Premier in „Tatsächlich Liebe“, so der Vizechef der mitregierenden, kleinen KDNP, István Pálffy. Grants Wissen über die ungarischen Medien sei zudem lückenhaft, schallte es postwendend aus Budapest zurück. Man wolle ihm Aufklärung in englischer Sprache zukommen lassen. Doch niemand wusste, wohin der Brief gehen sollte. Grants Privatadresse war der Regierung gänzlich unbekannt.

Eine ganze Woche verging, ehe ausgerechnet der politische Gegner in Gestalt der sozialistischen Partei MSZP die korrekte Adresse lieferte – und das Dossier der Regierung auf den Postweg kam. Inzwischen dürften die Unterlagen an der New Yorker Adresse des Schauspielers angekommen sein.

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